Braucht man für einen alten Hund mehr Zeit?

In der letzten Woche begegnete ich zufällig einer Nachbarin und begann mit ihr ein interessantes Gespräch. Nachdem Pan sie kurzerhand zur neuen besten Kuschelfreundin ernannte, ihm der Nacken gekrault wurde und er sich entspannt an die Nachbarin lehnte, erzählte sie mir, dass sie früher auch mehrere Hunde hatte. Sie würde gern wieder einen Hund im Haus haben, aber ihr fehle die Zeit, obwohl sie schon längt sie schon längt im Ruhestand ist.

Hier kannst du diesen Artikel auch als Podcast hören:

Daraufhin meinte ich, dass sie sich doch überlegen könnte, einen älteren Hund aus dem Tierheim zu sich zu nehmen. Worauf sie antwortete, dass das ja wahrscheinlich noch aufwändiger wäre, weil alte Hunde meist auch krank sind, man viel Zeit beim Tierarzt verbringt und man sich so schnell wieder verabschieden müsse.

Das höre ich bei Gesprächen um alte Hunde sehr oft. Und ich bin ehrlich, als ich das erste Mal im Tierheim vor Sunnys Zwinger stand, haderte ich auch einen kurzen Moment mit mir.

Würde ich mich um einen alten Hund kümmern können? Hätte ich die Zeit dazu? Was ist, wenn Sunny schnell krank wird? Was ist, wenn wir uns schon bald verabschieden müssten?

All die Zweifel kann ich verstehen. Die Realität der vergangenen Jahre hat meine Zweifel glücklicherweise widerlegt. Sunny und ich hatten noch 8 tolle Jahre zusammen. Ja, sie wurde irgendwann unheilbar krank. Aber an keinem Tag habe ich mir gedacht „hättest du dir mal einen jungen Hund geholt“.

Ob ein alter Hund wirklich mehr Zeit kostet, wie der Alltag mit einem alten Hund aussehen kann und warum ich es (fast) immer für eine gute Idee halte, einen alten Hund aus dem Tierheim zu sich zu holen. Das möchte heute in diesem Artikel mit dir besprechen.

Kontra – darum ist ein alter Hund nicht zeitaufwändiger

Alte Hunde schlafen und dösen mehr

Unsere Vierbeiner sind schon von Haus aus echte Schnarchnasen. Jedenfalls die Meisten. Der durchschnittliche erwachsene Hund schläft ca. 15 bis 18 Stunden am Tag. Wobei es sich dann nicht immer um den puren Tiefschlaf handelt. Die meiste Zeit dösen unsere Hunde und ruhen sich aus. Außerdem variiert diese Angabe auch je nach Rasse, Charakter, Alter und Aktivität am Tag.

Fakt ist jedoch, alte Hunde brauchen häufig mehr Zeit, um sich zu regenerieren, auszuruhen und zu schlafen.

Sehr deutlich habe ich das bei meinen beiden Hunden bemerkt. Pan hat vor ein paar Jahren noch wesentlich weniger Schlaf und „Döszeit“ benötigt als heute. Mit Kleinkind im Haushalt sind die Tage manchmal aufregend oder auch laut. Er zieht sich dann gern zurück und schlummert eine Runde.

Bei Sunny war das in den letzten Jahren nicht anders. Und besonders als sie krank wurde, schlief sie deutlich mehr. Zeit, in der du dich entweder entspannt zu deinem Hund kuschelst oder dich um andere Dinge kümmern kannst, ohne ein schlechtes Gewissen.

Alte Hunde sind meist ruhiger und genügsamer

Insgesamt sind alte Hunde meistens auch deutlich ruhiger und genügsamer. Sie lieben es zwar immer noch sehr, draußen unterwegs zu sein. Aber es müssen auch nicht ständig lange Wanderungen sein.

Besonders wenn Erkrankungen hinzu kommen, macht es sich erfahrungsgemäß eh besser, häufiger kleinere Runden zu gehen, statt mit deinem Hund mit Arthrose oder Spondylose stundenlang durch den Wald zu wandern.

Klar, Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Die meisten alten Hunde, die ich kenne, sind jedoch super zufrieden, wenn sie ihre Stamm-Runden laufen, ihre Stamm-Kumpels treffen, vielleicht einen kurzen Moment spielen und sich dann nach einem guten Fressen wieder ins Hundebett kuscheln dürfen.

Hundeschule? Was für Anfänger!

Unschlagbar vorteilhaft an einem alten Hund ist sehr häufig, dass er einfach schon ganz viel kann und kennt. Sitz, Platz, Bleib, Komm? Kikikram für Junghunde 😉 …für den alten Hund ein alter Hut.

Heißt, in den meisten Fällen musst du mit einem alten Hund gewiss nicht mehr in die Hundeschule und auch nicht mehr ausgiebig Grundsignale trainieren. Weil er einfach schon kann.

Etwas Kopfarbeit ist dennoch auch bis ins hohe Alter gut, hält geistig und körperlich fit und stärkt eure Bindung. Das erreichst du zum Beispiel mit Suchspielen, Schnüffelspielen oder maßvollem Training Rallye Obedience.

Auch mit Sunny habe ich noch bis ein Jahr vor ihrem Tod sogar noch Mantrailing gemacht. Auch das kann man so gestalten, dass der alte Hund noch gefördert aber körperlich nicht überfordert wird.

Pro – dein alter Hund kostet mehr Zeit, wenn…

Häufigere Tierarzt-Besuche

Es lässt sich nicht vermeiden, dass mit dem Alter eben auch Krankheiten eintreten. Vor allem sind viele alte Hunde von Verschleißerscheinungen im Bewegungsapparat betroffen. So manch alter Hund ist auch anfälliger für Infekte. Das hat was mit dem veränderten Stoffwechsel und dem Immunsystem zu tun. Das ist soweit aber nicht ungewöhnlich.

Sicherlich ist man da einige Male häufiger beim Tierarzt. So ist zumindest meine Erfahrung. Mit Sunny war ich vor allem in ihrem letzten Jahr häufiger beim Tierarzt. Bei Pan stellen sich nun mit 7 Jahren erste Problemchen mit einem Gelenk ein.

Was ich damit aber sagen möchte: ein alter Hund ist nicht automatisch ein kranker Hund mit dem man ständig beim Tierarzt aufschlagen muss. Genauso wenig, wie ein junger Hund immer nur gesund ist und den Tierarzt nur für Impfungen kennenlernt.

Im Gegenteil. Ich kenne etliche junge Hunde mit Allergien, Gelenkproblemen, permanenten Hautproblemen und anderen chronischen Erkrankungen. Ebenso wie ich viele recht fitte alte Hunde kenne, die eben mit den „Zeichen des Alters“ ihren Lebensabend genießen.

Mehr Körperpflege nötig

Nach meiner Erfahrung brauchen alten Hunde in Sachen Körperpflege häufig etwas mehr Unterstützung. Oft ist es so, dass sich alte Hunde durch körperliche Einschränkungen manchmal schlechter selbst pflegen können. Außerdem verändert sich der Stoffwechsel, wodurch sich auch Haut und Fell verändern.

Deshalb ist bei den meisten alten Hunden etwas mehr Fellpflege (von innen und außen) oder auch etwas mehr Krallenpflege und Pfotenpflege (besonders im Winter) notwendig.

Wie du das gut in den Alltag integrieren und deinem Hund die Extraportion Pflege zukommen lassen kannst, erfährst du in meinen Artikeln zu den „7 Tipps für gesundes Fell beim alten Hund“ und „Gute Pfotenpflege für den Winter“.

Mehr Unterstützung im Alltag

Außerdem braucht so manch alter Hund irgendwann etwas mehr Unterstützung im Alltag. Wobei ich das persönlich weniger als zusätzlichen Zeitaspekt und vielmehr als monetären Punkt betrachten würde.

Vielmehr geht es dabei darum, dass man sich Gedanken darum macht, wie man seinen individuellen Hund mit individuellen Dingen unterstützen kann.

Ein paar Beispiele:

  1. Dein Hund ist inkontinent. Dann braucht er mehr Hilfe in Sachen Hygiene. Vielleicht braucht dein Hund dann Inkontinenzmatten, häufigere Gassirunden, oder auch mal eine Hundewindel in der Ferienwohnung.
  2. Dein Hund hat Probleme im Bewegungsapparat. Dann hilft ihm ein orthopädisches Hundebett. Vielleicht braucht er eine Hunderampe fürs Auto, um einsteigen zu können oder eine Gehhilfe, um Treppen zu überwinden. Möglicherweise bedarf es auch Medikamente oder natürliche Präparate.
  3. Dein Hund hat im Winter Probleme mit Kälte. Dann ist vielleicht ein Hundemantel für den Winter oder eine Wärmematte hilfreich.
  4. Dein Hund hat im Sommer Probleme mit Hitze. Dann musst du dir Gedanken machen, wie du ihn maßvoll abkühlst. Beispielsweise geht das mit einer Kühlmatte oder beim Spaziergang mit einem Kühlhalsband.

 

Fazit – darum finde ich alte Hunde nicht zeitaufwändiger

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein halbwegs gesunder und alter Hund sogar weniger Zeitaufwand bedeutet als ein junger Hund oder ein Hund im mittleren Alter. Und erst recht als ein Welpe. Die meisten von uns haben ihre Hunde seit dem Welpenalter und wissen, dass das erste Jahr ziemlich anspruchsvoll und herausfordernd sein kann.

Wenn ich das direkt mit dem Zeitaufwand für meine alte Hündin Sunny vergleiche, dann ist der Aufwand tatsächlich ähnlich oder bei einem alten Hund sogar geringer. Es kommt halt immer darauf an.

Klar, mit einem schwer erkrankten Tier hat man immer alle Hände voll zu tun und den Kopf voller Sorgen. Das trifft aber auf einen jungen erkrankten Hund ebenso zu wie auf einen alten erkrankten Hund.

Insofern ist das Argument „ein alter Hund kostet per se mehr Zeit“ für mich keine realistische Aussage.


Liebt eure Hunde  ♥

Ich freue mich, wenn ich dir weiterhelfen konnte und bin gespannt auf deine Erfahrungen, Fragen und Tipps. Du kannst mir dazu ganz einfach unten im Kommentarfeld schreiben! Ich antworte so schnell ich kann 🙂

Fragen kannst du aber auch in unserer Facebook-Gruppe stellen – Tipps und Erfahrungen von anderen Hundefreunden inklusive. 🙂

 


Braucht man mehr Zeit für einen alten Hund?

6 Gedanken zu „Braucht man für einen alten Hund mehr Zeit?“

  1. Hallo Community,

    wir sind stolze Besitzer zweier Landseer, Pedro (11,5 Jahre) und Lena (8 Jahre).

    Pedro ist topfit und schwimmt noch besonders gerne. Als junger Hund war er ungestüm und ist auch hin und wieder mal ausgebüchst. Inzwischen ist er gelassen, es muss schon etwas aus seiner Sicht sehr empörendes passieren,
    dass er mal so richtig aufdreht. Tierarztbesuche beschränken sich auf halbjährliche Kontrolluntersuchungen. Er ist zum Glück kerngesund und kostet
    uns weniger „Zeit“ als in jungen Jahren. Wir müssen ihn nicht mehr suchen gehen und in Hundeschule könnte man ihm wohl nichts mehr beibringen. Wir verstehen uns ohne Worte, er weiß einfach, was wir von ihm wollen und wir wissen, was er von uns erwartet. Manchmal denken wir, dass Pedro Gedanken lesen kann.
    Er liebt Mozzarella. Jedesmal, wenn ich zum Kühlschrank gehe, und Mozzarella heraus hole, kommt er in die Küche gerannt und holt sich sein Stückchen ab. Hole ich z.B. eine Packung Emmentaler heraus, kommt er nur, wenn ich ihn rufe. Er ist so wunderbar!

    Ebenso verhält es sich mit Lena. Sie ist noch immer sehr lebhaft, hat schon immer mustergültig gefolgt. Leider wurde bei Lena im November Knochenkrebs festgestellt. Das ist die Geißel großer Hunde. Immer mehr große Hunde sterben immer öfter an Knochenkrebs. Betroffen sind insbesondere Rassehunde, da in den Zuchtverbänden auf Teufel komm raus gezüchtet wird. Im Vordergrund stehen Zeichnung, Augenfarbe, Haltung der Ohren, Gangwerk, Aufmerksamkeit, Wesen. Ob vielleicht Mutter oder Vater bereits an Knochenkrebs erkrankt waren, interessiert viele Züchter nicht.
    Kritische Fragen seitens des Hundebesitzer werden schon mal abgeschmettert. Man ist dann beleidigt und der Welpenkäufer muss sich Sätze wie: „An Leute wie Sie werden wir nicht mehr verkaufen“ anhören.
    Selbstverständlich gibt es auch verantwortungsvolle Züchter, die sich halt ihre
    Zuchtzulassung holen und die keinen Wert legen auf Pokale sammeln. Solche Züchter hat unser Pedro.
    Lena bekommt eine dendritische Zelltherapie. Die dendritischen Zellen hindern den Krebs am Weiterwachsen und an der Bildung von Metastasen.
    Lena geht es gut. Sie rennt auf drei Beinen fast genauso schnell wie auf vier.
    Ihr krankes Bein wird sie nie mehr belasten können. Wir lassen sie nicht merken, dass etwas nicht stimmt mit ihr. Sie weiß es ohnehin selbst, doch wir behandeln sie genauso wie Pedro. Natürlich kann sie keine so großen Strecken mehr laufen, wie Pedro. Es ist sehr wichtig für Lena, dass sie Pedro als Partner hat. Er motiviert sie jeden Tag. Niemand kann glauben, dass Lena so krank ist. Sie sieht phantastisch aus und ist lustig und munter.

    Wir sehen es als ein Geschenk an, dass unser Pedro schon so alt ist. Das zeigt doch, wie wohl er sich bei uns fühlt und dass wir alles richtig gemacht haben. Lena’s Schicksal ist furchtbar, doch wir nehmen es an und machen das beste daraus. Das spürt sie, deshalb geht es ihr noch so gut. Sie kann aufgrund des kranken Hinterbeins nicht mehr so gut Treppen steigen, da helfen wir ihr natürlich.

    Als junge Hunde haben beide mit großem Eifer Beete umgegraben, an Türstöcken genagt, dem Gartenteich einen Riss verpasst und vieles mehr….
    Das alles wieder zu reparieren war sehr zeitaufwändig gewesen. Heute machen sie das alles nicht mehr. Dafür benötigen eben andere Dinge „Zeit“.

    Wir können nicht bestätigen, dass alte Hunde mehr Zeit in Anspruch nehmen, als jüngere. Und sollte es mal so sein – das gehört zum (Hunde) Leben!

    Liebe Grüße an alle, Cornelia

    Antworten
    • Liebe Cornelia,

      herzlichen Dank für dein so ausführlich und herzliches Feedback. Ich sehe das genau wie du! Im Alter nimmt man sich die Zeit eben für andere Dinge als die Gartenreparatur 😉 …so ist das eben. Ich wünsche euch trotz allem, dass es Lena weiterhin ganz gut gehen wird und ihr noch eine tolle und lange Zeit miteinander habt. Und Pedros Alter ist in der Tat stolz – Chapeau! Ich grüße euch ganz lieb.

      Eure Jasmina <3

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  2. Wir haben vor 3 Jahren unseren Paul (Rauhaardackel) im Alter von 8 Jahren aus einem Sterbefall übernommen. Sein Herrchen war Jäger und mein Mann ist es auch. Es war Liebe auf den ersten Blick. Paul hatte bislang keinerlei gesundheitliche Probleme, ist ein ganz lieber Kerl, kommt prima mit unseren Enkeln zurecht und mit allen Menschen und Hunden.

    Paul ist das Beste, das uns passieren konnte. Mein Mann und ich sind beide 73 Jahre und Paul „zwingt uns dazu, uns zu bewegen“. Am Anfang ist er uns zwar ein paar Mal im Revier ausgebüxt und selbst zurückgekommen.
    Er wird jetzt mit fast 11 Jahren (Geburtstag am 21.2.) doch ruhiger. Jetzt zwickt ihn hin und wieder der linke Vorderlauf. Zum ersten Mal hatte er jetzt eine Erkältung. Durch Medikamente ist aber auch das nach 10 Tagen überstanden.

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    • Liebe Elisabeth,

      danke, dass du eure Erfahrungen hier mit uns teilst. Das ist wunderbar zu lesen, dass euer Paul auch euch zur Bewegung motiviert und ihr ihm ein so tolles Zuhause gebt! 🙂

      So soll es sein. <3

      Liebe Grüße
      Jasmina

      Antworten
  3. Liebe Jasmina, besten Dank fuer Deine relevanten Erklaerungen und Empfehlungen,die viel Kopfzerbrechen und Zeit sparen und meiner Huendin und mir zugute kommen. Insbesonders freute ich mich ueber das Thema Gehhilfe,
    Erkennen , dass dem Hund kalt ist, Hundekleidung im Winter.

    Schoen, auch Deine Diskussion ueber das Thema Adoption alter oder junger Hund.

    Unsere Riesenschnauzerin ( Mischling mit russischen Terrier,
    Neufundlaender oder Gorilla(: ) ist ueber 13 Jahre alt mit Arthrose . Es waere ganz praktisch fuer sie ausser einer Gehhilfe einen Wagen zu haben, dessen Sitzflaeche man bis zum Zimmerboden senken kann, damit wir die 50 kg Seniorin nicht heben muessen. Kannst Du uns einen Hersteller oder Modell empfehlen

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    • Liebe Shelly,

      ich habe seit Wochen eine Tragehilfe für so schwere Hunde wie deinen (meiner wiegt ja auch fast 50 Kilo) hier liegen und wollte die längst mal ausprobiert haben…ich mache das die Woche endlich mit Pan und gebe dir dann Rückmeldung, ob die Gehhilfe etwas taugt.

      Versprochen.

      Ganz liebe Grüße
      Jasmina

      PS: Und tausend Dank für dein Lob <3

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